Gedichte, Bilder Zitate

Die kaschmirische Mystikerin Lalla

Das Erreichen der Wirklichkeit geschieht nicht
Durch Selbstkontrolle,
Asketische Praktiken,
Und durch Enthaltsamkeit,
Sondern durch ein glühendes Begehren.
Auch wenn du in dieser Realität
Dich aufgelöst hast wie Salz im Wasser,
Ist es schwierig,
Eingetaucht zu bleiben in das Selbst.

*

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Gerad' als der Mond sich anschickt zu verblassen
sang ich vom Wahnsinn meines wunden Herzens,
das ganz entblößt war durch die Liebe Shivas.
Ich schrie: Ich such' die Wahrheit! Such' die Wirklichkeit!
Verschmolzen bin ich im Rubin des wachen Selbst,
mein Körper wurd' zur Schale, das Göttliche zu empfangen.

*
Wer keinen Unterschied mehr sieht
Zwischen sich und dem Absoluten,
Wer nicht mehr inneres Licht
Und Finsternis unterscheidet,
Der kann gleichmütigen Herzens
Das nichtduale Bewusstsein entfalten.
Er allein vermag den Meister der Meister zu erkennen.

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Aus dem Vijnana Bhairava Tantra

O Schönheit! Mit den im Raum des Herzens ausgebreiteten Sinnen erfasse die Wesenheit der Shakti wie ein Goldpuder von unsagbarer Feinheit, der in deinem Herzen schimmert und sich von dort in den Raum ergießt. So wirst du höchste Glückseligkeit erlangen.

Aus dem Spanda Karika

Wenn der Tantriker jegliches Ding mit seiner absoluten Begierde durchdringt, wozu dienen dann noch Worte?
Er macht ja selbst die Erfahrung.

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Rainer Maria Rilke

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

*

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Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören.

Denn des Anschauns, siehe, ist eine Grenze,
und die geschautere Welt
will in der Liebe gedeihn.
Werk des Gesichts ist getan,
tue nun Herzwerk
an den Bildern in dir, jenen gefangenen. Denn du
überwältigtest sie; aber nun kennst du sie nicht.
Siehe, innerer Mann, dein inneres Mädchen,
dieses errungene aus
tausend Naturen, dieses
erst nur errungene, nie-
noch geliebte Geschöpf.